Kulturloge Hanau



„Unerhörtes“ Jahr der Kulturloge Hanau

Positive Bilanz in schwierigen Zeiten / Ausnahmeaktionen in Ausnahmezeiten

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Es war ein schwieriges Jahr auch und besonders für die Kulturloge. Lockdown, Corona-bedingte Einschränkungen - insgesamt musste man 15 Monate notgedrungen völlig auf die Vermittlungstätigkeit verzichten… Dennoch sieht man in der „Kulturloge Hanau e.V.“ durchaus optimistisch in die Zukunft – und kann dank „Ausnahmeaktionen in Ausnahmezeiten“ auch positiv auf die vergangenen Monate zurückblicken.

Es gilt für die zukünftige Arbeit das, was Kulturlogenvorsitzende Beate Funck auf der Mitgliederversammlung in Kesselstadt formulierte: „Kultur ist mehr als systemrelevant, es gehört sozusagen zu unserem täglich Brot, ist ein gesellschaftliches Grundnahrungsmittel.“

Nach mehr als einjähriger Durststrecke konnte die Kulturloge in der Brüder-Grimm-Stadt im Juli wieder beginnen mit dem Vermitteln von Eintrittskarten für Kulturveranstaltungen an finanziell Schwächere. Aktuell betreut der Verein 527 Kulturgäste, davon 259 Kinder. Man arbeitet dabei mit 49 verschiedenen Sozialpartnern und mehr als 40 Veranstaltern zusammen.

Auch in Coronazeiten blieb der Verein aktiv – und reagierte mit ungewöhnlichen Aktionen. So kaufte der Verein für 1.000,- Euro Karten der Grimm-Festspiele und gab sie an ihre Kulturgäste weiter. „Wir wissen, dass das Kaufen von Eintrittskarten nicht zu den Aufgaben der Kulturloge gehört, aber die besondere Situation erforderte außergewöhnliches Handeln,“ betonte Beate Funck und freut sich über die vielen begeisterten Rückmeldungen der Kulturgäste.

Dies trifft noch auffälliger zu beim Projekt „Unerhört“, das die Kulturloge gemeinsam mit dem Trägerverein Kulturzentrum Pumpstation (KUZ) und der Initiative IGHanauRockt! auf die Beine stellte. Gemeinsam gelang es, konkrete Hilfe für die von Corona hart getroffene Hanauer Musikerszene zu leisten. Das „Nicht-Festival“ unter dem Titel „Unerhört“, so die Bilanz von KUZ-Vorstandsmitglied Lucas Schobert als Gast der Mitgliederversammlung, kam nicht nur Musikerinnen und Musiker, sondern auch Veranstaltern und den nicht weniger gebeutelten Technikerinnen und Technikern zu Gute.

Insgesamt konnten während des Lockdowns rund 4.000,- Euro (davon kamen drei Viertel von der Kulturloge) an die Kreativszene an Main und Kinzig ausgeschüttet werden.

Zwei Projekte hob Schobert besonders hervor: Die Aktion “ich feier mit benefit“ im Stadtteil Steinheim und die Produktion des Musikvideos „Zusammen“, das von der Hanauer Künstlerin Mirjam Wolf in Kooperation mit Vereinen und Organisationen sowie lokalen Helferinnen und Helfern aus Anlass des 19.02. 2020 produziert worden ist.

Beide Aktionen erweisen sich auch als nachhaltig, denn sie sind nach wie vor im „worldwide web“ präsent und steigern dort immer noch ihre Nutzerzahlen (zu sehen auf „YouTube“ unter den Hashtags „ichfeiermitbenefit“ und „mirjamwolf/zusammen“)

Die Mitglieder der Kulturloge waren sich einig, „dass die Ausnahme-Aktion in einer Ausnahme-Situation“ überaus erfolgreich war, da sie Hilfe dorthin gebracht hat, wo sie am nötigsten war, nämlich bei den Künstlerinnen und Künstlern in Hanau und der Region.

Hauptdiskussionspunkt war darüber hinaus natürlich die schwierige aktuelle Lage und die ebenso problembeladene Zukunft unter Corona-Bedingungen. Unsicherheit sowohl bei den Veranstaltern als auch beim Publikum wurden ebenso thematisiert wie auch festgestellt wurde, dass kleinere Veranstaltungslocations im Herbst und Winter kaum Veranstaltungen anbieten, da diese unter Corona-Bedingungen kaum kostendeckend zu organisieren sind.

Einhellige Auffassung war zum einen, dass es derzeit keinen Königsweg gibt, dass die Kulturloge zum anderen aber dennoch mit Optimismus nach vorn blickt. „Wir bauen auf die Zukunft“, hieß es in der Versammlung. Beifall gab es auch für die Aussage: „Wir werden den Mut nicht aufgeben. Wir wollen Menschen mit der Vermittlung von Karten für kulturelle Veranstaltungen Freude bereiten, haben dies in der Vergangenheit getan und sind sicher, dass wir auch in Zukunft das Leben unserer Kulturgäste bereichern werden.“ Denn vielen Menschen werde jetzt erst durch den Mangel an Kulturveranstaltungen bewusst, wie bedeutsam Kultur für uns alle ist.“

Hintergrund:

Die Grundvoraussetzungen der Arbeit der Kulturloge haben sich nicht verändert. Wenn die verfügbaren Mittel knapp sind, wird an allem gespart. Gerade Extras wie der Besuch von Kulturveranstaltungen sind für einkommensschwächere Personen oder Familien oft nicht realisierbar. Um hier Hürden abzubauen und einen kostenfreien Zugang anbieten zu können, gründete die Marburgerin Hilde Rektorschek 2010 die erste Kulturloge und schuf mit dem Bundesverband Deutscher Kulturlogen e.V. ein Netz aus mehr als 30 Kulturlogen bundesweit. Ehrenamtlich bemüht man sich seitdem um die Vermittlung von Eintrittskarten. Das bewährte Konzept soll finanziell Schwächeren die Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Interessierte brauchen sich dazu bei der Kulturloge nicht als Anspruchsberechtigte zu legitimieren, sondern lediglich bei den Sozialinitiativen oder Institutionen mit denen sie ohnehin in Kontakt stehen einen Flyer auszufüllen. Ergeben sich passende Karten, werden sie von der Kulturloge angerufen. Die Eintrittskarten werden auf den Namen der Kulturgäste an der Abendkasse hinterlegt, genau wie alle anderen zurückgelegten Eintrittskarten. Man will keine zusätzlichen Verwaltungshürden aufbauen und auch nicht riskieren, jemanden zu beschämen. Daher muss niemand nachweisen, dass er sich die Karte nicht selbst kaufen kann. Unkompliziert und wertschätzend hilft man denen, die Kultur lieben, sie sich aber nicht leisten können. Als wirklich willkommene Kultur-Gäste sollen sich die Kartenempfängerinnen und -empfänger fühlen, die kostenfrei an den Veranstaltungen teilnehmen können.

Die Marburgerin Hilde Rektorschek erhielt den Bundesverdienstorden am Bande.
 
 
Eltville. Frei nach ihrem Motto „Das Leben gut leben“ handelt die Marburgerin Hilde Rektorschek. Sie setzt sich, ohne sich dabei selbst in den Vordergrund zu spielen, mit aller Kraft für benachteiligte Menschen ein – in Marburg, Hessen und bundesweit.

Die Wertschätzung und die Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wird, schlägt sich in zahlreichen Auszeichnungen nieder. Im Zuge der Ehrungen zum 75-jährigen Jubiläum Hessens erhielt Rektorschek abermals eine Auszeichnung – den Bundesverdienstorden am Bande von Hessens Innenminister Volker Bouffier.

Rektorschek steckt ihre Kraft und Energie in ehrenamtliche Arbeit. Sie vertritt seit mehr als 40 Jahren die Interessen derer, die selbst nicht die Kraft haben, für sich zu sprechen und einen besonderen Schutz benötigen. Die würdevolle, behutsame und nachhaltige Ermöglichung der Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben, ohne Stigmatisierung oder Diskriminierung der Menschen mit geringem Einkommen, ist ein zentrales Anliegen von Hilde Rektorschek.

Seit 2005 vermittelt sie in der Marburger Tafel unter anderem Eintrittskarten an Tafelkunden und gründete im Jahre 2010 die erste bundesweite Kulturloge Marburg. Sie hat das mehrfach ausgezeichnete Konzept und die Grundsätze für die Kulturlogen erarbeitet und das Projekt bundesweit auf den Weg gebracht. Im Februar 2012 gründete sie den Bundesverband Kulturloge. Täglich setzen sich bundesweit viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der Kulturlogen für das Menschenrecht auf Kultur ein und handeln nach den Grundsätzen „Behutsam, würdevoll und nachhaltig“.

Darüber hinaus engagiert sie sich für Menschen mit geistigen und körperlichen Einschränkungen. Auf ihre Initiative hin ermöglicht der BC Marburg seit 2009 mehr als 30 Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen im Alter von 11 bis 45 Jahren das Erlernen der Sportart Basketball. Mittlerweile gehört sie zum Vorstand des BC als Koordinatorin und Beauftragte für die Menschen mit Beeinträchtigung.

Rektorschek ist zudem seit 2011 Mitglied im Armutsnetzwerk, nimmt regelmäßig an Obdachlosen-Treffen teil und unterstützt die Forderungen, dass Frauen, Kinder und Seniorinnen nicht auf der Straße leben müssen. In diesem Jahr organisierte sie mit den Rheinland Pfälzer Kulturlogen zusammen eine Überraschung für die Kinder im Ahrtal unter dem Motto „Nach der Flut machen wir den Kindern Mut“. Direkt nach den Herbstferien besucht sie die Kinder einer Grundschule und Kita und schenkt ihnen Bücher von Pippi Langstrumpf und Michel von Lönneberga.

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